nerdish by nature
Wie schnell beginnt man, Dinge für völlig normal zu halten? Ziemlich schnell. Da hilft ein Blick in den Rückspiegel, und der zeigt uns bei Branchen-Veranstaltungsformaten Frontalvorträge elitärer Überflieger, die uns mit "Best Practise"-Beispielen in die Besenkammer zu unseren schiefgegangenen Projekten trieben. Dieser Blick zeigt uns rotbeschalte, graubeschläfte Landjunkersakkoträger, die bei Pfeifchen, Zigarre und Kaminfeuer mit ruhiger Hand die Geschicke der Buchbranche lenkten.
Und dann entwickelt, losgetreten von der digitalen Welle der Teilhabe vieler, die sich schon nicht mehr in der Branche zuhause fühlten, ein kleines Team innerhalb der Branchenständevertretung ein neues Konzept: das BuchCamp. (im Rückblick erscheint dies als schiere Notwehr des Verbands, um nicht mit noch mehr Parallelstrukturen konfrontiert zu werden, es gehörte mit Sicherheit aber auch Mut dazu)
Steffen Meier (Verlag Eugen Ulmer) zum BuchCamp. Mann, das geht runter wie Öl!
Wer einen sachlichen Dialog führen möchte, der kann nicht gegen “Raubkopierer“, aber für die “Content Mafia” als Begriff sein, denn dann können wir uns auch Beavis und Butthead nennen. Aber ich möchte kein Gebashe auf den Podien. Wir haben keinen “Kampf” zwischen “Netzpiraten” und “la Familia”. Solche Begrifflichkeiten implizieren, dass es auf Dauer einen Gewinner und einen Verlierer geben müsste. Ich möchte jedoch einen Dialog zwischen allen, die, in welcher Form auch immer, davon betroffen sind, seien es nun Urheber, Konsumenten, Verlage oder andere Rechteverwerter. Am Ende dieses Dialoges sollte ein Vertriebsmodell stehen, mit dem alle Beteiligten gut leben können.
Enno Lenze (Piratenpartei und Verleger), der gestern gemeinsam mit Dietrich zu Klampen (Verleger) und Heike Rost (Fotografin und Journalistin), auf einem unserer Podien auf der #lbm12 über ACTA diskutierte, zur Demagogie auf beiden Seiten. Klasse!
... das Publikum aber hatte wohl eher mit nerdigerem Kram gerechnet. Lustigster Moment: Als Marcel von Quote.fm auf DRM angesprochen meinte "dann lad ich mir den Scheiß halt woanders runter" und sich gleich im Anschluss nicht für die Tat sondern für die Sprache entschuldigte. Nette Menschen jedenfalls, da auf dem Podium.
CeBIT ansonsten: nicht das meine, was interessiert mich denn bitteschön der E-Post-Brief (mit einem Wasserfall am Stand, ein WASSERFALL!) oder IT-Security-"Lösungen". Und mal ehrlich, 2012 die Cloud als Schwerpunktthema? Hm, bißchen spät, oder?.
Immerhin im Anschluss im Referentenraum noch nett mit Cao Hung von Epidu, Michael von der Buchmesse und Christiane von eriginals berlin über Malls, Glancee, die Eleganz von guten Apps und son Kram geplaudert.
Das schöne Foto da oben stammt übrigens von einem weiteren Quote.fm'ler, Martin Wolf nämlich, der hier durch irgendeine Zauberei dafür gesorgt hat, dass ich mal nicht wie ein Vollhonk aussehe, wie sonst auf Fotos. Danke dafür, Martin!
Auf dem Nachhauseweg seit langer Zeit nochmal das hier gehört, festgestellt wie herzerweichend toll José Gonzalez immer noch ist und dann bahnschaukelbedingt fast drei Stunden lang durchgeschlafen. Wieder in Frankfurt mit Miram bei Ardbeg (Miriam) und Laphroaig (ich) in der neuen Lieblingsbar abgestürzt. Ganz guter Tag, das.
Downloading isn't a sign of the rise of technoanarchist capitalist-hating communist punks. It's not even a pricing signal. It's a market signal to the distributors that convenience matters. While they ignore that signal, piracy will win. It's that simple.
Ein Gespenst geht um im Bücherland. Wo einst verdorrtes Einzelgängertum und verknöchertes inneres Exil herrschte, da entdeckt der solitär sozialisierte Leser nun seine gemeinschaftliche Ader. Nachdem die analogen Lesekreise ein kleines, zumeist sich im privaten Umfeld abspielendes und deswegen nur bedingt journalistisch zu verwertendes Revival erlebten, bald aber schon die ersten Leseblogs die Vorliebe überwiegend weiblicher Literaturbegeisterter kanalisierten und zumindest ein klein wenig vom Fame und Buzz der ubiquitären Streetfashion- und Modeblogs rüberzuwandern versprach, da entstehen nun allerorten Foren, Apps und Communities, die sich anschicken, den Leser mit der Leserin, mit dem Buch (und wie zu zeigen sein wird: mit dem Verlag und der Autorin) zu verknüpfen. Man nennt das im Allgemeinen Social Reading. Wie social die Dienste im Einzelnen ausfallen oder ob es sich doch auch manchmal um popistisch geschultes Listenwesen in Verbindung mit dem guten alten Distinktionsgewinn – mein Haus, mein Boot, mein virtuelles Bücherregal – handelt, ist aber vor allem ein technosoziale Frage.
Ich habe für netzwertig einen Abriss zur aktuellen Diskussion über Social Reading geschrieben. Und am kommenden Freitag moderiere ich auf der CeBIT in Hannover eine Podiumsdiskussion zum Thema, u.a. mit den Leuten von QUOTE.fm und LovelyBooks. Gerne vorbeikommen (in Hannover), gerne mitdiskutieren (bei netzwertig.com)!